Offener Brief

 Offener Brief an

Herrn Landrat
Dr. Karl Schneider                                                                 Arnsberg, 21. Oktober 2006

  Sehr geehrter Herr Landrat,

 Sie erhalten heute diesen offenen Brief von mir, weil ich auf ein Thema aufmerksam machen
möchte, das in der Öffentlichkeit selten wahrgenommen wird. Vor den Ereignissen vom 12. September dieses Jahres ging es mir genauso. Dies war der Tag, an dem sich in unserem Unternehmen, der Perstorp Chemicals GmbH in Arnsberg-Bruchhausen, eine Staubexplosion mit nachfolgendem Brand ereignete. Der materielle Schaden ist eine Sache, aber viel schwerwiegender
 wogen der Tod eines Mitarbeiters bzw. die schweren Verletzungen, die zwei weitere Mitarbeiter erlitten. Wer eine solche Situation noch nicht erleben musste, kann sich nicht vorstellen, was in den Menschen vorgeht, die um ihre Angehörigen und Kollegen bangen und letztlich trauern oder in den Betriebsfeuerwehrleuten, die als erste zur Stelle waren, um Kollegen zu bergen.

 An diesem Unglückstag und darüber hinaus, ja bis heute, haben die Angehörigen und viele unserer Mitarbeiter die Unterstützung von Diakonen der Psycho-Sozialen Hilfe im HSK e. V. erhalten. Aus vielen Gesprächen und Rückmeldungen der Menschen, die betreut wurden, weiß ich, was die Notfallseelsorger für sie und letztlich auch für das Unternehmen geleistet haben. Diese Arbeit, die egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und am Wochenende dringend benötigt und geleistet wurde, können wir nicht hoch genug schätzen.

 Da dies mein erster Kontakt mit einer Notfallseelsorge war, kannte ich die Strukturen und die organisatorische Einbindung nicht und hatte geglaubt, die Diakone seien Mitarbeiter der Polizei. Wir waren sehr erstaunt zu erfahren, dass diese Arbeit ehrenamtlich und ohne eine Vergütung oder Kostenerstattung geleistet wird und die Entscheidung über finanzielle Ausstattung in der Kompetenz des Landrates liegt.

 Ich hoffe, Sie haben noch keine Situation erlebt, in der Sie die Hilfe eines Seelsorgers brauchten und daher möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Landrat, heute aus unserer Erfahrung nahe bringen, wie hilfreich und wertvoll die seelsorgerische Arbeit in unserem Kreis ist.

 Hiermit appelliere ich im Namen aller bei uns Betroffenen an Sie, die Psycho-soziale Hilfe im HSK auf eine gute finanzielle Basis zu stellen und ihre außerordentlich wichtige Aufgabe anzuerkennen und zu unterstützen. Gerne stelle ich für Sie auch Kontakte mit persönlich Betroffenen her, damit Sie sich aufgrund ihrer Erfahrungsberichte ein Bild vom Nutzen dieser Arbeit machen können.

 Herzliche Grüße aus Bruchhausen,

 Helmut Anzt

Werksleiter der Perstorp Chemicals GmbH

Arnsberg-Bruchhausen